„Wir sollen den Limes bauen? Mit Wachturm und so groß wie in echt? Des geht ned!“

Das war eine der Reaktionen die Tilo Bödigheimer, Sonderschullehrer an der Gebrüder-Grimm-Schule (SBBZ Lernen), von den Schülern seiner Klasse 6/7 erhielt, als er Ihnen das neue Projekt vorgestellt hatte.

Aber der Reihe nach! Im Rahmen des Fächerverbundes WZG stand das Thema „Das Römische Reich“ an. Nach einer allgemeinen Einführung erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler das Thema selbstständig und eigenverantwortlich in einer Lernwerkstatt mit insgesamt 30 Stationen. Eine dieser Stationen beinhaltete den Auftrag, den Limes inkl. eines Wachturms in Originalgröße nachzubauen. Und zwar nicht alleine, sondern im Team.

Die anfängliche Verwirrung verschwand schnell, als Herr Bödigheimer seiner Klasse mitteilte, dass sie dieses Projekt nicht etwa im Schulhof verwirklichen sollen, sondern virtuell mit dem Spiel „Minecraft“, welches auf den schuleigenen iPads hierfür installiert wurde.

Bevor es losgehen konnte mussten aber zunächst einmal die technischen Voraussetzungen geklärt sein. Zwar können sich bis zu 5 iPads im gleichen Wlan-Netz beim Spiel Minecraft zusammenschließen, allerdings läuft dieses lokale Multiplayerspiel alles andere als stabil. Gelöst wurde dieses Problem mit der Unterstützung der Firma HK-Hosting GbR aus Bonn. Als Herr Holzgreve und Herr Kraus, Gesellschafter von HK-Hosting GbR, von dem Schulprojekt erfuhren, boten sie an, die Kosten für die Bereitstellung des Minecraft-Servers zu übernehmen und bei der Einrichtung und Konfiguration zu helfen.

Wenige Tage später konnten die Schüler dann auf dem schuleigenen Minecraft-Server ihre Bauaufträge beginnen.

Einige Schüler waren bereits mit dem Spiel Minecraft vertraut. Für die meisten war es jedoch eine neue Erfahrung, sich virtuell im dreidimensionalen Raum orientieren zu müssen. Zu Beginn stand deshalb das Kennenlernen der Steuerung und des Spielprinzips im Vordergrund. Hierfür mussten unter anderem verschiedene Bauaufträge gelöst werden, die mit der Zeit immer komplexer wurden.

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Neben entsprechenden Skizzen und Bildern stand vor dem Baubeginn des Limes-Nachbaus auch ein Besuch im Römermuseum Osterburken auf dem Programm, bei dem die Schüler einen originalgetreuen Limes- und Wachturmnachbau besichtigen konnten.

Innerhalb von 3 Doppelstunden führten die Schüler dann in ihren Gruppen den Bauauftrag durch. Als besondere Herausforderung zeigten sich dabei die Absprachen im Team. So mussten sich die Schüler nicht nur darauf einigen, wie genau der Limes und der Wachturm gebaut werden sollte, sondern auch, wer an welcher Stelle zu bauen beginnt und wie man spezielle Probleme lösen könnte (z.B. die Dachform). Häufig bildeten sich dann innerhalb des Teams Spezialisten heraus. So konnte der eine sehr gut räumlich denken und kümmerte sich um den maßstabsgerechten Aufbau der Außenwände, während die andere den Blick fürs Detail hatte und die Innenausstattung des Wachturms entsprechend der damaligen Zeit übernahm.

Am Ende waren alle von den Ergebnissen begeistert und stolz darauf, dass sie eine anfänglich so schwer klingende Aufgabe gemeinsam lösen konnten.

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Bei aller Begeisterung für den Einsatz eines „Computerspiels“ im Unterricht kam aber natürlich der handelnde Unterricht nicht zu kurz. So wurde römisches Essen zubereitet, das Römermuseum in Osterburken besucht, römische Kleidung angezogen und ein maßstabsgerechtes Modell eines Limes-Wachturms im Fach Technik hergestellt.

Abschließend kann festgehalten werden, dass der Einsatz des Spiels „Minecraft“ im Unterricht erfolgreich war. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Thematik (Der Limes im Römischen Reich) lernten die Schüler vor allem, was es bedeutet, kooperativ ein Bauprojekt durchzuführen. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Orientierung im dreidimensionalen Raum bei allen Schülern am Ende des Projekts wesentlich besser klappte als zu Beginn. Eine Kompetenz, die so zum Beispiel auch in der Haupschulabschlussprüfung im Fach Mathematik gefordert wird, wenn Seitenansichten von Körpern gezeichnet werden müssen.